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Einzelbeitrag
Seit 18.07.2009 in der Kategorie Meinung
Der wunde Punkt des Strafrechts - Opfer zahlen den Preis - Täter zur Wiedergutmachung verpflichten - Diskussion mit Frau Müller et. al. [Bruder Bernhard]
Opfer kuscheln?
Schon wieder schlagen Jugendliche unschuldige Opfer spitalreif, schon geht’s wieder los mit den Vorwürfen an die ‘Kuscheljustiz’. Und wie immer gehen die Behörden wieder ein kleines Schrittlein nach rechts und überlegen, gegenüber der Schule möglicherweise das Datenschutzgesetz zu verletzen und dieser jeweils ein Dossier über vorbestrafte Schüler zuzustellen. Da hebt sich die bürgerliche Karin Keller-Suter angenehm ab mit ihrer Aussage am Radio, es gebe halt nie eine 100%ige Sicherheit. Dass die Kuscheljustizanprangerer bei uns ein so leichtes Spiel haben, liegt wohl doch daran, dass sie den Finger auf einen wunden Punkt legen, und diese Wunde scheint chronisch zu sein.
Zunächst muss man festhalten, dass das Strafrecht in Deutschland einiges schärfer ist als in der Schweiz, wie die Münchner Schläger von der Goldküste zu ihrer Überraschung nun feststellen, lese ich. Und dennoch scheint es seine Wirkung nicht zu tun: Im Zusammenhang mit diesem Fall habe ich ebenfalls gelesen, die Jugendkriminalität sei dort höher. Aber dieser Zahlenkrieg tut sowieso nichts zur Sache. Das Problem liegt ganz wo anders.
Ich lese zum Beispiel, ein 46jähriger Kaufmann sei grundlos so zusammen geschlagen worden, dass er wahrscheinlich nie mehr derselbe sein wird wie vor dem Überfall. Interessant ist, dass ich über die Täter immer sehr schnell viel mehr weiss als über die Opfer - und das Opfer verschwindet auch praktisch jedes Mal hinter der Tat und dem Täter. Dabei ist doch das Opfer das Opfer. Und wir wissen alle: Wer Opfer eines solchen Überfalles wird, der hat halt einfach Pech gehabt. Wie jedes Opfer. Denn an solchen Taten wächst die Gesellschaft, sie gewinnt neue Erkenntnisse, sie kann ihr Rechtssystem jedes Mal neu justieren und noch feiner einstellen, um zwei Ziele (unter anderen) zu erreichen: Den Täter wieder (oder erstmals) in die Gesellschaft einzugliedern und zu verhindern, dass er rückfällig wird.
Das ist jetzt alles gar verkürzt wiedergegeben, natürlich, aber eines bleibt bei allem Hin und Her bestehen: Den wirklichen Preis für den Fortschritt zahlt das Opfer. Dies ist der wunde Punkt unseres Rechtssystems. Wenn sein Leben nie mehr sein wird wie zu vor, wenn der Kaufmann fürs Leben geschädigt zurück bleibt: Pech, kann man nichts machen. Denn darin sind wir uns einig: Die Schraube anziehen, die Täter härter anfassen, das tönt zwar alles irgendwie verlockend, wenn man sich die furchtbare Tat vergegenwärtigt, aber es nützt offenbar niemandem. Nicht der Gesellschaft, aber auch nicht dem Opfer.
Ich versuche mir einfach mal vorzustellen, mir wäre das passiert: Ich komme aus dem Haus und werde brutal zum Invaliden geschlagen. Was hätte ich nun davon, dass der Täter ein paar Jahre länger ins Gefängnis muss? Absolut gar nichts. Mein einziger Wunsch wäre doch, wieder so zu leben wie zuvor, eine vollständige Wiederherstellung meiner damaligen Möglichkeiten. Und dafür soll ein Täter aufkommen müssen. Daran führt kein Weg vorbei, will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, das Opfer weniger wichtig als den Täter zu nehmen.
Es hat noch niemand von unseren Politikern eine brauchbare Lösung entwickelt, dem Opfer Genugtuung zukommen zu lassen. Ich höre nicht einmal ernst gemeinte Überlegungen in dieser Hinsicht.
Was ich mir wünschte, wäre ich Opfer eines dieser Schläger: Bis ich wieder ganz gesund bin, muss mir der zur Seite stehen und das kompensieren, was ich nicht mehr habe. Das ist ein legitimer Wunsch, und ein Strafrecht, das die Opfer ernst nimmt, müsste Wege finden, diesem zu entsprechen.
Und wenn der Schläger halt dann sein Leben lang durch Pflege seines Opfers büssen müsste - das wäre die einzige gerechte Strafe, 1:1 die Konsequenz einer Tat, die nicht das Opfer alleine tragen soll! Man muss sich einfach mal vorstellen, man würde selber durch solch hirnrissige Schläger mitten aus dem Leben gerissen. Bevor Du hier kommentierst: Stell es dir einfach mal vor…
[Anmerkung der BB-Red.: In der Tat ist die anschliessende Diskussion lesenswert ]
Bruder Bernhard
Gebloggt am 08.07.2009 in La Triperie - Bruder Bernhard
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